Kapitel 1

Richard McGregor war 42 Jahre alt und Diplomingenieur sowie studierter Architekt. Auf seinem Kopf spriesten bereits die ersten grauen Härchen hervor, welche sich mit seinem kastanienbraunen Haar mischten. Die ersten Falten schlichen sich schon um die Mundwinkel ein und in durch seine grünen Augen zogen sich schon die ersten grauen Schlieren. Und wenn es eine Eigenschaft gab, die ihn gut beschrieb, dann war es folgende: tollpatschig. "Liebling, bist du endlich in deinem Anzug drin?", kam es aus dem Badezimmer in dem seine Frau Donna stand und sich schick machte. Nun, drinnen war wohl nicht ganz so das richtige Wort. Der Anzug zwickte nur wo er konnte, das Hemd wirkte falsch zugeknöpft und zu allem Überfluss fand er seine Krawatte nicht. Er seufzte. "Schatz, kannst du mir mal helfen?" Donna kam aus dem Bad heraus und die eben noch formulierte Bitte verabschiedete sich aus Richards Gehirn. Seine Ehefrau sah umwerfend aus. Sie hatte sich ein schwarzes Etuikleid angezogen, welches ihre schlanke Hüfte betonte und trug darüber eine schwarze Chanelbluse, die sie von ihm zu Weihnachten bekommen hatte. Ihre dunkelbraunen Locken waren zu einer griechischen Hochsteckfrisur geworden und einzelne Glitzersteine funktelten darin herum. Das Kleid endete knapp über den Knien und ihre zierlichen kleinen Füße steckten in hochhackigen Stilettos. Richard wunderte sich jedes Mal von neuen, welches Gen die Frauen wohl besaßen, dass sie in diesen Dingern laufen konnten. "Was ist denn?" Mit dieser Frage zog sie ihren Mann aus der Lethargie. "Ich..." murmelte er, dann räusperte er sich. "Ich finde meine Krawatte nicht." Peinlich berührt wendete er sein Gesicht ab, da er nun schon wusste, was kommen würde. Donna stand erst baff im Türrahmen. Die Spannung war förmlich im Raum zu greifen. Und dann entladete sich alles in einem Lachanfall. "Aber Richard!", gluckste sie, "die hängt doch um deinen Hals!" Richard sah an sich nach unten und - tatsächlich! Lose und frech baumelte die Krawatte offen von seinen Schultern runter. Er war nicht nur ein Tollpatsch, er war ein schusseliger Tollpatsch. Der Schusseligste wohl überhaupt. Seufzend nahm er die Krawatte in die Hände und begann einen einfachen Knoten zu binden, als sich plötzlich zwei warme Hände auf die seinen legten. "Ich mach das mal, Liebling." Sanft lächelnd fing Donna an, die beiden Krawattenenden zu nehmen und ihn wie ein Geschenk zu verbinden. Seine schon leicht trüben Augen beobachteten sie dabei. Sie war so klein und zerbrechlich und stets liebevoll zu all ihren Mitmenschen, selbst wenn ihr eigenes Seelenheil daran glauben musste. Sie lächelte immer und liebte jeden Menschen so wie er war, insbesondere ihn. Und dafür liebte er seine Frau. In den 20 Jahren Ehe hatte es bis jetzt nicht ein kleines Bisschen abgenommen. 15 Minuten später hatten sich beide in den Chevrolet der Familie gesetzt und machten sich Richtung Airport auf den Weg. Es war stickig hier in Kansas. Sie vermisste die schottischen Meeresbrisen, die sie so gewohnt war. Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug wurde ihr schmerzlich bewusst, dass die Ferien nun zu Ende waren und die Schule bald beginnen würde. "Jade, geh weiter. Du blockierst den gesamten Verkehr!" "Nun übertreib mal nicht, Brüderchen." "Tz", mokierte sich das "Brüderchen", "Immerhin werde ich ja nicht angemault, wenn sich die da hinten beschweren." Kopfschüttelnd und schweigend über diese Aussage erhaben stieg sie die schmale Treppe zum Bus hinunter, der sie zum Arrival führen würde, wo ihre Eltern bestimmt schon sehnsüchtig warteten. Auf dem Weg zur Gepäckabnahme schwiegen sich die beiden Zwillinge an. Noch hing jeder mit seinen Gedanken in dem wundervollen Urlaub, in dem sie für einen Monat lang vergessen hatten können, dass dieses Jahr ihre Prüfungen anstehen würden. "Glaubst du wir kriegen dieses Jahr die Kowalowski wieder?" fragte sie ihren Bruder, während sie am surrenden Gepäckträgerband standen. Jordan seufzte genervt auf. "Mensch Jade! Die Ferien sind noch nichtmal ganz rum und du fängst mit dem Mist an! Tu mir einen Gefallen und lass das!" Mit dieser Standpauke hatte es sich und Jade starrte nach vorne auf das monoton an ihr vorbeiziehende Band auf dem sich jeder erdenkliche Koffer befand, nur nicht ihrer. Jordan mochte die Kowalowski nicht besonders, denn er hatte letztes Jahr ihre Tochter verlassen, welche daraufhin weinend zu ihrer Mom gelaufen war. Darauf hatte sie ihm eine schlechte Note in Mathematik gegeben und Jordan wäre beinahe versetzungsgefährdet gewesen. Sie beide waren eigentlich durchschnittlich in der Schule. Doch das letzte Jahr hatte sich Jordan drastisch verschlechtert, während Jade langsam Schritt für Schritt immer besser geworden war. Einmal hatte er ihr ein "Geh doch lieber schon aufs College, da brauchen sie ne Strebertussi wie dich!" an den Kopf geworfen, als sie ihm Hilfe angeboten hatte. Das hatte geschmerzt. Weil sie davor eigentlich immer ähnliche Schulleistungen gebracht hatten. Ähnliche Fächer gemocht hatten. Aber nun war alles anders. Ihre Gedanken wirbelten umher, und die Bilder Schottlands kamen ihr wieder in den Sinn. Sie hätte den Flughafen dort sprengen sollen. "Es ist schön euch alle wieder beieinander zu haben!" meinte das Oberhaupt der McGregor während ihrer Heimfahrt. Ihre Eltern hatten sie wirklich herzallerliebst begrüßt und sich so rührend gefreut, dass ihre beiden Nesthäkchen wieder zu Hause waren. Nun gut, die Zwillinge waren 16 aber Glucke Donna lies sich von diesem Alter noch lange nicht beirren. Für sie würden die beiden immer ihre kleinen Lieblinge sein, die sie knuddeln, bemuttern und nach Strich und Faden begluckern konnte. "Wenn ihr wollt, können wir unterwegs noch irgendwo halten und euch was zu essen kaufen!" meinte sie und lächelte dabei ihre Goldstücke herzerweichend an. "Cool!" freute sich Jordan und war sofort Feuer und Flamme von dem Vorschlag. Sie hielten am nächsten Chinarestaurant, da Jordan und Jade große Anhänger der asiatischen Küche waren. Mit zwei Kartons gebratener Nudeln machten sie sich weiter auf den Weg nach Hause. Daheim angekommen stürmte Jordan schon die Wohnung um sich schnurstracks zum wichtigsten Gegenstand für ihn im Haus zu begeben: dem Telefon. Kurz darauf hörte man nur noch ein "Hi Alter!" und dann schlug er schon die Tür zu seinem Zimmer zu. Jade, die mit ihrem Koffer erheblich langsamer war, versuchte ächzend, das Ding die Treppen hochzubekommen. Nach dem 10. Anlauf kam ihr Vater grinsend daher. "Darf ich?" meinte er nur und packte den Koffer auf seinen Rücken. "Papa", ermahnte sie ihn "Pass aber bitte auf! Nicht, dass dir schon wieder etwas auf den Fuß fällt!" Ohja. 5 Monate Krücken waren wirklich nicht wiederholungswert, auch für die ganze Familie. Ihr Vater entrüstete sich nur, murmelte etwas von "Von wegen" und "Ich werd schon nichts kaputtmachen" und machte sich brummelnd auf den Weg nach oben. Manchmal konnte es schon ein bisschen nervenstrapazierend sein, wenn alle Familienmitglieder auf seiner Schusseligkeit herumritten. Jade zuckte nur die Schultern und begab sich mit ihrem Essen in die Küche, wo ihre Mutter herumwuselte und etwas suchte. "Hast du schon deinen Koffer nach oben gebracht, Liebes?" fragte sie, während ihr Kopf irgendwo im Schrank zwischen Tupperware und Kochtöpfen verschwand. "Dad bringt ihn hoch." Donnas Kopf schnellte aus dem Schrank hervor. "Um Himmels Willen, du hast ihn deinem Vater gegeben? Er wird sich doch wieder nur den Fuß brechen!" meinte sie und tippelte raus in den Flur um zu sehen, ob ihr Mann noch heil war. "Richard!" "Ja, Schatz?", schallte es von oben herab. "Geht es dir gut, Richard? Ist dein Fuß noch heil? Und alles andere auch?" Schnaufend und genervt erschien ihr Mann am oberen Treppenende. "Natürlich ist alles in Ordnung.", brummte er und kam die Treppe hinunter. Jade beobachtete ihre Eltern aufmerksam. Beide McGregors waren eher etwas rundlichere Personen. Nciht dick oder moppelig, versteht sich, einfach nur etwas mehr robuster gebaut. Sie und Jordan hingegen waren eher sehr schmale Personen, was sie zuweilen hasste, da sie im Gegensatz zu ihrer Mutter kaum weibliche Kurven besaß. "Das kommt noch, wenn du erwachsen bist", meinte ihre Mom immer zu ihr. Sie war bald 17. Wurde es nicht langsam Zeit, dass die Pubertät ihr langsam etwas mehr auf Hüfte und Busen gab? Alle Mädchen in ihrer Klasse fanden sie immer wunderschön dünn, vor allem Charly, ihre beste Freundin. Sie selber war nämlich wirklich etwas moppelig, hatte knallrote Locken und trug immer kurze Jungenhosen, Mottoshirts und Chucks. Jade selber fand, dass sie gerne etwas mehr wie Charly aussehen würde. Denn Charly mochte zwar etwas moppelig sein, aber ihre Körbchengröße betrug immerhin D und ihre Körperproportionen stimmten eigentlich ganz gut. Nun betrachtete sie das Gesicht. Ihre Mutter hatte dunkle, braune Knopfaugen, und einen intensiven Blick. Jade hatte blaugraue Augen, ihre Bruder etwa grüngrau, und beide Farben waren etwas matt-schimmernd. Außerdem wirkten sie ihrer Meinung nach immer ausdruckslos. Sie selber befand sich selbst allgemein als sehr langweilig. Wenn sie jemand anderes wäre, sie würde sich nicht mit sich selbst anfreunden. sie würde sich selbst wahrscheinlich nicht einmal bemerken. Jade schüttelte den Gedanken ab und sah seufzend ihre Mutter an. Sie hatte mal im Internet gelesen, dass es manchmal bei Zwillingen sogar etwas häufiger dazu kam, dass sie komplett anders aussahen als die Eltern. Das kam sehr selten vor, aber Jade nervte es. Immer wenn man sie mit ihrer Mutter unterwegs in der Stadt traf, fragten die meisten Leute: "Und das ist wohl ihre Nichte, oder?" Sie wollte auch mal mehr von ihrer Mum haben. Am besten so wie Jen, die Klassenschönheit. Jens Mutter war Model und Jade befand, dass Jen ihr in dem Nichts nachstand. Sie hatte die gleiche Gazellenfigur mit den sanften Kurven, wunderschön geschmeidiges blondes Haar, intensiv blaue Augen, wie ihre Mutter und zu allem Überfluss auch noch das gleiche verteufelt symphatische Grübchenlächeln, das immerzu präsent war. Wenn man es so nahm war Jade eigentlich eine verkappte Jen. Sozusagen die Unfallversion. Ja so musste es sein. Gott hatte Jen erschaffen wollen, aber beim ersten Versuch war etwas schief gegangen. Also hatte er das verkappte Ding kurzerhand als Zwilling zu Jordan in den Bauch gesteckt und sich an eine neue Jen gemacht, wozu er dieses Mal nur zehn Tage gebraucht hatte. Jen wurde am 13. Juli geboren, direkt zehn Tage nach Jade. Seufzend über den "kaputte-Jen" Gedanken riss sie sich von der Szene los wie ihre Mutter liebevoll das Haar ihres Ehemanns durchwuschelte und ihm einen Kuss auf die Wange drückte. "Geht ihr jetzt auf euren Ball?" lies sie aus der Küche verlauten. Donnas Kopf lugte durch die Tür. "Wir verschwinden ja schon!" gluckste sie heiter. Ihre Eltern waren auf einen Wohltätigkeitsball von der Firma ihres Dads eingeladen worden, direkt am Tag des Rückflugs. Sein Chef unterstützte Projekte einer bedeutenden Baufirma in Japan und heute war so ein großes Zusammentreffen von den ganzen Führungsfuzis. Der Plan war, Spenden zu sammeln, und damit die Firma beim Bau irgendeines neuen, revolutionären Projektes zu unterstützen. Jade war das herzlich egal. Sie war froh, dass sie keinen Vater hatte, der sie zwang in ihre Fußstapfen zu treten. Denn ehrlich gesagt war sie nicht erpicht darauf, irgendwann mal auf Baustellen in hohen Gummistiefeln rumzustacksen und ihre Freizeit mit biertrinkenden Muskelprotzen zu vergeuden. Sie hörte noch wie die Tür ins Schloss fiel und dann waren sie allein.

9.7.09 18:59, kommentieren

"jaja da gehen alle hin."

Mhm, klar. Nur ich irgendwie nicht.
Ach Kinnas.
Ich weiss ja selber nicht, was in letzter Zeit so mit mir los ist.

Wenn ich die Schule betrete, will ich eigenltich sofort wieder rausrennen und den Ort die ganzen Ferien lang nicht betreten. Nicht dass es nicht immer so ist, aber in der letzten Zeit ist es einfach extrem. Ich brauch endlich meine Ferien.
Ich brauch meine Ruhe und meine Freunde mit denen ich die Zeit verstreichen lassen kann.

Eigentlich brauch ich endlich mal Gewissheit in einigen Dingen. Besonders in einigen Freundschaften.

Es würde mich halt interessieren, welche Rolle ich in meinen Freundschaften spiele, weil man mich darüber in der letzten Zeit immer mehr im unklaren lässt.
Isn bisschen scheisse, ja. :/

Fuuuh... zum Glück hab ich auch was positives: Mellis Geschenk ist endlich fertig. Drei Tage Arbeit haben sich endlich gelohnt. :> Übermorgen bekommt sie es. Ich hoffe, dass sich die Arbeit ausgezahlt hat und es ihr gefällt. Was hab ich währenddessen die ganze Zeit geflucht. |D

So. Ich denk mal ich werd jetzt wieder in Kwick gehn und dann den Rest für das Emotreffen übermorgen klarmachen.
ZDF kommt.
Sehr aufregend, ich darf sogar was sagen, da ich Organisatorin bin. Was soll ich da bitte sagen? |D
"Wir sind Jugendlich die Spass haben wollen. Und hier kann man eben Spass haben." Glaubt man nicht, ist aber so.

Gute Nacht.

9.7.09 18:58, kommentieren

Prolog

Es war ein lauer Sommermorgen. Jade stand auf der Wiese und ließ ihre Füße vom kühlen Morgentau des Grases umspielen. Vor ihr lagen weite grüne Wiesen und dahinter eine gewaltige Berglandschaft. Das goldene Licht der langsam aufgehenden Sonne tauchte alles in ein honigfarbenes Lichterspiel, was sie zu einem hingerissenen Seufzer veranlasste. Alles vor ihr wirkte so friedlich und ruhig. Und diese Stille hätte ihrer Meinung nach ewig gehen können. Hierbei lag die Betonung auf "können". "Jade!" Ade, idyllischer Blick… Seufzend drehte sie sich um. Ein Junge in ihrem Alter mit zerzaustem blonden Haar und leicht zerfetzten Farmerklamotten kam über die Hügel auf sie zugerannt. "Hier bist du ja!" rief er und klang dabei erleichtert. Keuchend blieb er bei ihr stehn und versuchte, während er wieder zu Atem kam, sie anzugrinsen. Der Sauerstoffmangel verwehrte ihm dies gründlich. "Aunt Kirstie hat gesagt, dass du packen sollst, bevor wir frühstücken. Und dass du dich beeilen sollst." Er hatte den Satz schnell beendet, da ein Hustenanfall ihn übermannte. Jade schüttelte pragmatisch den Kopf und klopfte ihrem Zwillingsbruder Jordan auf den Rücken. "Kopf in den Nacken!" ermahnte sie ihn und half ihm, sich in eine aufrechte Position zu begeben. Wie befohlen gehorchte er und schon bald war ein kräftiger, röhrender Hustenlaut zu hören. "Frosch draussen, Problem gelöst. Und nun gib mir bitte noch ein paar Minuten." Sie wendete sich wieder dem Sonnenaufgang zu klopfte dabei noch etwas versonnen auf dem Rücken ihres Bruders herum. "Aber Jade," quengelte dieser, "Je später du packst, desto später frühstücken wir und ich will nicht solang auf Granny‘s Spiegeleier mit Speck verzichten!" Er versuchte es mit seinem besten Dackelblick. Oh je, wenn er etwas konnte, dann das. Jade stand im Wiederspruch. Einerseits wollte sie ein letztes Mal die aufgehende Sonne von Schottland betrachten. Andererseits waren da die bettelnden Augen ihres Bruders. Jade wurde weich. "Na gut..." seufzte sie und warf noch einen letzten sehnsüchtigen Blick in das Sonnenlicht. Sie waren nun für 4 Wochen auf dem Bauernhof ihres Onkels gewesen, also fast die ganzen Sommerferien. Nun war es Zeit nach Amerika zurückzukehren. Auf dem hinweg spielten sich in Jades Kopf verschiedene Szenarien ab, wie sie sich wohl verstecken könnte, wie sie den Flieger verpasste, wie der Flughafen in die Luft ging... Gott, sie sollte packen gehen. Das letzte Mal stand sie vor dem großen, antiken Spiegel, der sich als einziges der wenigen Möbelstücke im Gästezimmer befand. Der Messingbelag vom Rahmen blätterte schon ab und unzählige Schlieren und schwarze Flecken bezeugten das Alter. Sie hatte ihre Tante Kirstie darum gebeten, dass sie das alte Ding mal austauschte, aber das war wohl nichts. Ihre Tante fand dieses Urrelikt nämlich "chic". Seufzend betrachtete sie sich. Ihr hageres Gesicht war umrandet von weizenblondem Haar, dass leicht strohig bis zur ihrer Hüfte hinunterhing. Die prahlende Sonne während der harten Arbeit auf dem Bauernhof hatte ihr Haar gebleicht und zu einem Heuhaufen gemacht, doch es war ihr egal. Die Ferien hatten sich allemal gelohnt, auch wenn die Arbeit auf einem Bauernhof sehr anstrengend war. Sie würde das vermissen. "Jade-Schätzchen, bist du schon fertig? Komm doch noch nach unten, damit du dich von Granny und Uncle verabschieden kannst!" rief ihre Tante ihr zu. Sollte sie doch in Erwägung ziehen den Flughafen zu sprengen? Schnell verband sie sich ihren Strohballen auf dem Kopf zu einem einigermasen ordentlichen Zopf und sauste die Treppe des Hauses runter. Die Stufen knarzten dabei so schön, ein Geräusch, in das sich Jade hätte verlieben können. Unten standen bereits ihr Onkel Stuart und ihre Granny Donella, welche sich ein paar Tränchen aus ihrem Auge drückte. Die alte Dame hatte bereits 87 Jahre auf dem Buckel, war aber immer noch eine robuste alte Frau, die liebend gern über ihre Kindheit auf dem Bauernhof ihres Vaters schwatzte. Tröstend legte Jade ihre dürren Arme um sie und drückte die alte Dame an sich. Sie hatte schon als kleines Kind einen Narren an ihrer Granny gefressen. "Schon gut, Granny Don" meinte sie tröstend und drückte ihr einen Kuss auf die alte, runzelige Wange. "Lass dich drücken, meine Kleine!", meinte ihr Onkel lächelnd, "ich hoffe, du kommst uns bald wieder besuchen!" Damit presste er sein dünnes Gestell von Nichte an sich und drückte sie herzhaft. Jade war froh, wieder atmen zu können als er sie losließ. "Keine... huff... Sorge, Onkel", meinte sie und grinste ihn wacker an, "wir kommen wieder, definitiv!" Ihr Onkel nickte gerührt. Dann wies er sie an, ins Auto zu steigen, während er die Koffer von oben holte. Wenig später war alles verstaut und die beiden Kinder saßen im Taxi. Ein letztes Mal winkten sie den Geschwistern ihrer Mutter zu, bevor das Taxi langsam Richtung Flughafen davontuckerte.

8.7.09 12:05, kommentieren

Nicht anpassbar

Ich hab das eben so gelesen, bei der Auswahl meines LayOuts. Ehrlich gesagt finde ich, dass das schon zwei mächtige Worte sind. Nicht anpassbar kann heissen: frei, ungebunden, ich selbst, eigenständig. Es kann aber auch heissen: festgefahren, einer, der immer aneckt, konservativ. Ich denke es ist auch mit jedem Mensch so. Es gibt Menschen, die sind anpassbar, und es gibt Menschen, die sind es nicht. Die einen haben vielleicht viele Freunde, aber man kann sie leicht manipuliern, während zweites schon oben erläutert ist. Ich selber bin so ein Mittelding. Wenn ich jemanden hinterherrenne, bin ich unglaublich anpassbar. Wenn ich jemanden nicht mag bin ich nicht anpassbar. Es ist so ähnlich als würde sich in meinem Schädel ein Schalter befinden, den man je nach Situation anpasst. Manche Situationen verlangen einfach, dass man sich ihnen anpasst, manche verlangen, dass man sich selber treu bleibt. Natürlich ist das jedem hierbei selber belassen, wann und wo er sich wie benimmt. Trotzdem muss ich sagen, ich wäre gerne NUR "nicht anpassbar". Es ist mir dabei ziemlich egal, ob ich nun konservativ wirke, da ich weiss, ich bin es nicht. Ich mag zwar Menschen die "anpassbar" sind, aber ich kann es nicht lange mit ihnen aushalten, da ich es nicht mag, wenn man sich versucht wie Knete um meine Kanten zu legen. Ich mag Menschen, die ebenfalls so sind wie ich: unanpassbar, und manchmal doch nicht. Denn es ist schön zu sehen, wenn jemand eine eigene Meinung hat, aber immer bereit ist, sich etwas neues anzuhören.

8.7.09 11:37, kommentieren